Fassade


Fassade
Fas|sa|de [fa'sa:də], die; -, -n:
vordere (gewöhnlich der Straße zugekehrte) Seite (eines Gebäudes):
das Haus hat eine schöne Fassade.
Zus.: Barockfassade, Glasfassade, Hausfassade, Jugendstilfassade, Renaissancefassade.

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Fas|sa|de 〈f. 19
1. Außenansicht, Vorderfront, Schauseite
2. 〈fig.; häufig abwertend〉 äußeres Erscheinungsbild
● nichts als eine hübsche \Fassade 〈fig.; umg.〉 ein hübsches Gesicht u. nichts dahinter [<Facciade (17. Jh.) <ital. facciata „Gesichtsseite“; zu lat. facies „Gesicht“]

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Fas|sa|de , die; -, -n [frz. façade < ital. facciata, zu: faccia = Vorderseite, Gesicht, Aussehen, über das Vlat. zu lat. facies, Fazies]:
1. vordere (gewöhnlich der Straße zugekehrte) Außenseite eines Gebäudes; Front, Vorderseite:
eine [un]verputzte, barocke F.;
die F. [des Theaters] wird gereinigt, restauriert;
die F. blättert ab.
2. (oft abwertend) Äußeres, äußeres Erscheinungsbild, das über den wahren Hintergrund, das eigentliche Wesen von jmdm., etw. nichts aussagt, es verbirgt:
bei ihm ist alles nur F.;
hinter die -n gucken;
die F. wahren.
3. (ugs., oft abwertend) Äußeres, bes. Gesicht eines Menschen:
sie hat zwar eine hübsche F., aber es ist nicht viel dahinter.

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Fassade
 
[französisch façade, zu italienisch faccia »Vorderseite«, »Gesicht«, »Aussehen«, von lateinisch facies, Fazies] die, -/-n, im engeren Sinn die Schauseite eines Bauwerks mit dem Haupteingang (Hauptfassade); im weiteren Sinn jede Ansichtsseite eines Gebäudes, die je nach Lage als Nebenfassade, Seitenfassade, Hoffassade oder Gartenfassade bezeichnet wird. V. a. die Hauptfassade wird durch architektonische Gliederung hervorgehoben und durch bauplastischen Schmuck sowie farbliche Akzente (Inkrustation, Mosaiken, Fassadenmalereien u. a.) in ihrer Wirkung gesteigert.
 
Die antike Baukunst war ursprünglich von der Allseitigkeit der Ansicht gekennzeichnet; so lag der Tempel frei und von allen Seiten zugänglich, häufig von einer Ringhalle mit Säulen umgeben. Abgesehen von Einzelerscheinungen (Hephaisteion in Athen, 5. Jahrhundert v. Chr.) zeigten in der 1. Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. antike Bauten mehrfach Frontalität (Asklepiostempel in Epidauros und Gortys, Tempel des Zeus Soter in Megalopolis, Heroon von Stymphalos), die v. a. in der römischen Architektur aufgegriffen wurde (Pantheon des Hadrian, Rom). Auch im Grabbau trat seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. die Fassade auf (z. B. die Giebelfassade des Felsgrabs des Setheas in Alipleira, Arkadien); auch die makedonischen Königsgräber von Aigai (Verjina) hatten gestaltete Fassaden. In der hellenistischen Stadtbaukunst waren die Tempel, Verwaltungsgebäude, Gerichtshöfe, Markt- u. a. Hallen, Tore und Ehrenbögen, zu einem Ensemble gefügt, zum Platz hin ausgerichtet. Die Fassade verband in der Regel Elemente des Tempelbaus (Säule, Gebälk, Giebel) mit solchen der Wand (Nische, Tor, Exedra). Besonders reich gestaltete Fassaden entstanden an der zum Innenraum gerichteten Bühnenwand (»scenae frons«) des römischen Theaters. Dabei wurde die Vertikalgliederung von den drei oder fünf Bühneneingängen bestimmt und die Horizontalgliederung von den Umgängen des Zuschauerraums abgeleitet, denen die Stockwerke mit ihren Fenstern, Nischen, Giebeln und Archivolten entsprachen. Fassadenformen fanden sich in der römischen Architektur an vielen Bautypen, v. a. an Stadttoren, Triumphbögen, Nymphäen und Grabbauten; sie bildeten vielfach Hintergrund und Rahmen für die Statuen und Reliefs, die ihnen eingefügt waren.
 
In der ägyptischen Baukunst wird bei bestimmten Felsgräbern von einer Vorstufe der Fassade gesprochen (vorgelegte Pfeilerhallen, z. B. in Beni Hasan). Im Palastbau Nordsyriens existierte die Fassade, nach Vorstufen in der Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr., seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. in Form eines als Fassade (zum Teil mit flankierenden Türmen) gestalteten Eingangsraums (Tell Halaf, Alalach, Zincirli). Diese Bauweise übernahmen die Assyrer (»Bit Hilani«).
 
Bei frühchristlichen und mittelalterlichen Kirchen lag die Hauptfassade meist im W. Ihr Aussehen wurde von der Gliederung des dahinter liegenden Raumgefüges bestimmt. Bei Repräsentationsbauten der Renaissance und des Barock wie Schlössern, Rathäusern und Palais griff man bei der Fassadengestaltung oft auf antike Vorbilder zurück. Ein wesentliches Gliederungselement bildete die stockwerkübergreifende Kolossalordnung. Man kam im Aufbau der Fassaden zu gestalterischen Lösungen, die in ihren Proportionen weder in ihrer Höhe noch in ihrer Gliederung dem dazugehörigen Bau entsprachen. Andererseits nahmen Fassaden (z. B. süddeutsche Barockkirchen) die geschwungene Linienführung der Innenräume auf. Das relative Gleichgewicht von Nutzungsanspruch und Aufwand bei der Fassadengestaltung blieb bis zum Ende des 18. Jahrhunderts erhalten. Im Historismus wurden ganze Straßenzüge von aufwendig dekorierten Fassaden geprägt. Häufig entsprach der Standard der dahinter verborgenen Wohnungen nicht dem durch die Fassade erweckten Anschein. Im Jugendstil kam es zu einer Blüte der Fassadengestaltung. Im 20. Jahrhundert wurden v. a. für Verwaltungs- und Industriebauten Vorhangfassaden (Curtainwall) aus vorgefertigten Einzelelementen entwickelt. Auch die postmoderne Architektur wandte ihre Aufmerksamkeit wieder der Fassade zu.
 
 
H. Weihsmann: Farbige F. (Wien 1982).
 

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Fas|sa|de, die; -, -n [frz. façade < ital. facciata, zu: faccia = Vorderseite, Gesicht, Aussehen, über das Vlat. zu lat. facies, ↑Fazies]: 1. vordere (gewöhnlich der Straße zugekehrte) Außenseite eines Gebäudes; Front, Vorderseite: eine helle, vornehme, [un]verputzte, barocke F.; die F. [des Theaters] wird erneuert, gestrichen, gereinigt, restauriert; die F. ist verschmutzt, blättert ab; vor dem Bahnhof, beeindruckt von der breit hingestreckten F. mit den vielen Türmchen und Zinnen (Kühn, Zeit 17). 2. (oft abwertend) Äußeres, äußeres Erscheinungsbild, das über den wahren Hintergrund, das eigentliche Wesen von jmdm., etw. nichts aussagt, es verbirgt: bei ihm ist alles nur F.; hinter die -n gucken, blicken, schauen; nicht immer reichte ihre Zeit aus, die F. zu wahren (Brückner, Quints 121); So ziehen sie sich aus echten Kontakten zurück, errichten eine F. des äußerlichen Durchhaltens (Basler Zeitung 12. 5. 84, 35). 3. (ugs., oft abwertend) Äußeres, bes. Gesicht eines Menschen: sie hat zwar eine hübsche F., aber es ist nicht viel dahinter; für wen lackst du dir die F., fragt Hotte (Degener, Heimsuchung 68).

Universal-Lexikon. 2012.

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